Nach einer durchwachsenen Nacht und einem guten Frühstück, schauten wir noch dem Sonnenaufgang zu. Es war schon ein beeindruckender Moment, als es langsam immer heller wurde in der Höhe.
Wir machten uns fertig und starteten. Beim Frühstück hatten wir beschlossen eine kleine Runde zu laufen und nicht den Hinweg zu nehmen. Und das war super! Los ging es auf einen Grat mit Blockgestein. Der erste Teil war seilversichert und ein kurzes Gehgelände, bevor es eine tolle Kraxelei wurde. Da die Route sehr gut markiert war, hatten wir keine Probleme mit der Orientierung. Es war auch selten wirklich stark ausgesetzt.
Immer wieder kamen Versicherungen, die die luftigeren Stellen entschärften. Spannend zu sehen war, dass der Gletscher immer näher kam. Dann kamen wir an die Stelle, an der die Spur vom Gletscher auf den Grat traf. Mit voller Konzentration kamen wir gut voran. Dann hatten wir einen Abschnitt mit vielen Versicherungen und standen recht schnell auf dem Signalgipfel.
Wir hatten das erste Ziel erreicht und die Ausblicke waren der Hammer. Der Blick zurück über den Grat und wie das Becherhaus auf dem Felsmassiv saß, irre!
Über einen breiten Grat aus Geröll und Blockwerk ging es in Richtung unseres zweiten Ziels. Der Grat verengte sich mehr und mehr und es wurde kraxeliger. Dazu kam, dass es einige Schneestellen und immer wieder Eis hatte. Zum Schluss wurde es noch etwas steiler und wir standen am Gipfelkreuz des Wilden Freigers.
Da es hier nicht viel Platz hatte und schon einige da waren, hielten wir uns nicht zu lange auf. Am Signalgipfel standen einige Leute, die in unsere Richtung kamen. Um Engpässe in dem Gelände zu vermeiden kletterten wir langsam und vorsichtig wieder zurück. Hier oben war die Aussicht natürlich auch der Hammer!
Besonders an den eisigen Stellen waren wir sehr vorsichtig. Wir kamen an den Abzweig zum nächsten Ziel. Wegen der Schneestellen, stiegen wir vorsichtig ab, am alten Zollhaus vorbei und liefen über eine Ebene aus Geröll zu dem Wegweiser. Jetzt sahen wir den nächsten Abschnitt vor uns, ahnten aber noch nicht was dann kam.
Bestens markiert liefen wir den Grat weiter. Es war eine spannende Mischung aus Kraxelei im Blockwerk, Gehgelände und ein Stückchen über den Wilden Freiger Ferner. Sehr spannend! Hier galt es sehr konzentriert zu sein. Wir erreichten eine wenig ausgeprägte Geländekuppe und sahen den Abstieg zur Freigerscharte.
Es ging durch ein wildes Gelände aus Blockwerk nach unten. Es war eine tolle, teilweise ausgesetzte Kraxelei, bei der wir alle viel Spaß hatten. Das Gelände war schon irre! Wir erreichten die Scharte, an der das alte Schild „Achtung Staatsgrenze“ stand.
Nun lag der nächste Anstieg vor uns. Über Blockgestein, teilweise Eis und Schnee ging es nach oben. Hochkonzentriert, immer wieder nach eisfreien Stellen suchend ging es nach oben. Eine Passage war so vereist, dass wir sie umgingen. Den Spuren nach waren wir nicht alleine mit dem Ausweichen. Spaßigerweise liefen zwei Trailrunner fix an uns vorbei. Verrückt!
Wir erreichten den Gipfel des Roten Grats und hatten damit unseren dritten Gipfel geschafft. Auch hier wurde nur kurz durchgeschnauft . In ähnlichem Gelände wie im Aufstieg eben ging es zur Rotgratscharte.
Jetzt ging es teilweise kraxelig durch spannendes Gelände nach unten. Wir mussten über ein Schneefeld, am Hängenden Ferner vorbei und erreichten den wunderschönen Freigersee. Wow! Ein Traum!
Dann lief der Weg bestens markiert über Gletscherschliffplatten und vorbei an Wasserläufen und Wollgras. So erreichten wir nach einiger Zeit wieder den Vogelhüttensee. Jetzt waren wir wieder auf dem Aufstiegsweg. Was für eine Tour bisher! Einfach nur unglaublich abwechslungsreich, spannend und schön.
Wir blickten noch einmal zurück auf das Becherhaus, wie es majestätisch auf dem Bechermassiv stand. Dann liefen wir den Hinweg bis zur Tapitzerhütte zurück und machten eine Pause. Nach der Pause ging es über einige Kehren zur Grohmannhütte und dann direkt weiter. Die Rundumblicke waren nicht minder beeindruckend wie schon am Vortag. Gefühlt führte der Bach auch mehr Wasser und die Wasserfälle waren mächtiger.
Wir kamen sehr gut voran und bogen, anders als auf dem Hinweg zur Aglsbodenalm ab. Der Weg war steil, stellenweise versichert aber lief sich gut. Unten war ein wunderschöner Wasserfall. Dann mussten wir noch kurz über eine sehr schwankende Hängebrücke, bevor es über einen breiten Fahrweg zum Einstieg der Klamm vom Hinweg ging.
Jetzt liefen wir nur noch den Hinweg zurück zum Auto und kamen hier sehr happy, aber platt an.
Fazit: Der Abstieg in dieser Variante ist einfach ein Traum. Tolle Blockwerkkraxelei, hochalpin, Abenteuerfeeling und einfach traumhafte Aussichten. Daneben nimmt man noch drei Gipfel mit. Absolute Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und sichere Bewegung in diesem Gelände sollten vorhanden sein. Dazu sollte man sich gut über die Bedingungen informieren und mit Eis und Schnee rechnen. Dies kann die Schwierigkeit noch einmal massiv nach oben schrauben und sollte nicht unterschätzt werden! Man wird aber mit einer Traumtour belohnt!
Dauer/Länge (inkl. Pausen):
9:49h /13,4km
Höchste Wegschwierigkeit :
T6
Aufstieg (Höhenmeter):
370m
Abstieg (Höhenmeter):
2.090m
Besonderheiten:
