Going Wild im Ötztal… Wildspitze, Top of Tirol

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Going Wild im Ötztal… Wildspitze, Top of Tirol

Um 4:30 Uhr hieß es heute aufzustehen. Nach dem Frühstück sammelten wir uns wie viele andere vor der Hütte und starteten gegen 6 Uhr unsere Tour. Das Wetter war wie vorhergesagt prächtig. Kaum ein Wölkchen am Himmel und eine Fernsicht bis zum Horizont. Perfekt!

Für die Tour teilten wir uns, den Zimmern entsprechend in zwei Seilschaften zu viert plus Bergführer auf. Wir liefen in Richtung des Rofenkarferners auf dem uns bekannten Weg. Meine Seilschaft war die gemütlichere und entsprechend waren wir hinten. In einem guten Tempo bogen wir auf den Pfad zum Ferner ab. Die aufgehende Sonne tauchte die Berge in ein tolles Licht. So fiel es uns auch nicht schwer, trotz der frühen Uhrzeit.

Diesmal liefen wir über die Steine weiter nach oben und gingen nicht durch die Schneerinne aufwärts. Dann kamen wir am Gletscher an und machten eine kurze Pause, um uns die Steigeisen anzuziehen. Es war schon gut etwas los. Neben uns und etwas weiter unten waren diverse Gruppen. Die andere Seilschaft von uns querte bereits weiter unten den Gletscher, als wir uns auch aufmachten. Hier oben gab es quasi keine Spalten, so dass wir ganz entspannt am anderen Ende ankamen. Hier ging es über ein teilweise steiles Schneefeld weiter. Der Schnee war noch recht fest und gut zu gehen. Bei deutlich über 20 Grad Steigung ging es weiter durch den Schnee nach oben.

Dann kamen wir am Fuß des Grats an. Jetzt ging es teilweise sehr steil durch Geröll und Erde aufwärts. Um diese Uhrzeit war es noch recht fest und gut zu gehen. Hier und da kamen die Hände zum Einsatz. Insbesondere bei den Steinen hieß es mit den Steigeisen aufzupassen. Nun ging es den Geröllgrat aufwärts. Langsam und stetig kamen wir voran. Die andere Gruppe war schon deutlich oberhalb angekommen und winkte uns zu. Kleine, steile Serpentinen führten nach oben über den Fels. Eigentlich war es mehr ein Schutthaufen. Wir hörten eine riesige und sehr laute Felslawine. Wahnsinn! Da merkte ich wie lose und instabil es hier war.

Auf der anderen Seite angekommen standen wir auf Schnee und Eis. Vor uns war die erste Hürde, eine steile Kuppe zu sehen. Die Eisflächen glänzten und wir sahen die andere Gruppe im Aufstieg. Bis hierhin gingen wir noch ohne Seil. Jetzt wurde sich angeseilt und es ging weiter. In Serpentinen bewegten wir uns nach oben. Für mich war es sehr spannend zu merken wie gut die Steigeisen auf diesem Untergrund hielten. Abrutschen wäre auch nicht gut gewesen. Wir gingen im Gegensatz zu der anderen Gruppe etwas außen herum und kamen hier in etwas tieferen Schnee. Florian, unser Bergführer spurte und wir kamen neben einer Wechte oben an. Wow! Für mich war das schon eine mentale Höchstleistung! Weiter ging es über einen schmalen Grat. Links die Wechte und rechts einfach nur steil bergab. Und die Ausblicke? Unbeschreiblich schön! Der Horizont war die Grenze. Unter uns blickten wir auf den riesigen von Spalten durchzogenen Taschachferner.
Von überall aus sah man Seilschaften auf dem Weg zur Wildspitze. Wir blickten auf unseren weiteren Weg. Das Gipfelkreuz war schon in Sicht, aber es war noch ein Stückchen. Das Wetter war weiterhin ein Traum. Langsam gingen wir weiter. Jeder Schritt wurde sehr bewusst gesetzt, denn stolpern wäre hier nicht gut gewesen. Dann kam ein kurzes Stück Fels, bevor es wieder über eine mit Eis bedeckte Kuppe ging. Für mich war es weiterhin mentale Schwerstarbeit. Konditionell und alles andere war kein Problem, aber der Rest beschäftigte mich schon. Da war es sehr gut zu wissen, dass es ein extrem erfahrener Bergführer und eine sehr angenehme Seilschaft waren. Es war ein tolles Team!

Dann kamen wir am Nordgipfel an. Dieser liegt 20m unter dem Südgipfel, dem ersten Tagesziel. Von hier aus hatten wir einen tollen Blick auf das Gipfelkreuz und die Menschenmengen dort oben. Dann ging es weiter über einen schmalen, gerölligen Grat. Hier war es wieder sehr wichtig achtsam zu gehen und gerade mit den Steigeisen einen guten Tritt zu haben. Auf dem Weg über den Ostgrat zog dann Nebel auf. Das konnte echt nicht wahr sein! Am Gipfel angekommen war die Sicht sehr überschaubar. Unsere andere Gruppe brach gerade zum Rückweg auf.

Wir machten eine ausführliche Pause am Gipfel und stärkten uns erst einmal. Mir gab es Zeit zu verschnaufen und mich auf den Rückweg einzustellen. Puh! Ich war schon stolz es geschafft zu haben. Einen großen Anteil daran hatten sicherlich die anderen drei aus der Seilschaft und natürlich unser Bergführer.

Dann brachen wir zum Rückweg auf. Wir wussten, dass wir eine abweichende Route nehmen würden. Es ging wieder zurück über den felsigen Grat. Und da passierte es, dass ich mit einem Steigeisen am Fels hängen blieb und stürzte. Zum Glück passierte nichts, außer ein paar Schrammen. Der Rest des Weges zum Nordgipfel verlief reibungslos. Uns kamen sehr viele Menschen entgegen, die auf dem Weg zum Gipfel waren. Irre! Aber der Tag war ja auch perfekt dafür. Am Gipfel hieß es dann kurz zu verschnaufen, bevor wir einen sehr steilen, mit Eis bedeckten Grat bergab gingen. Wow! Das war schon krass. Schritt für Schritt arbeiteten wir uns vor. Das ging richtig in die Oberschenkel. Zwischendurch ging es kurz durch Schnee, bevor es abflachte.

Zur linken kletterte gerade eine Seilschaft nach unten bzw. es sah mehr nach Training aus. Wir mussten aber nach rechts und es ging etwas, aber nicht wesentlich flacher abwärts. Während des Abstiegs drehten wir uns um und liefen rückwärts runter. Pickel rein und Schritt für Schritt nach unten. Wir kamen zügig voran. Dann wurde es etwas flacher und wesentlich mehr Schnee lag auf dem Eis. Jetzt versanken wir eher im Schnee. Nun hieß es auch noch aufmerksamer zu gehen, da die Gefahr von Spalten da war. Und zack versank auch einer von uns, aber zum Glück nicht weit und nicht schlimm. Dann kamen wir am Rand der mächtigen Nordwand an.

Wir machten kurz Pause und sahen den nächsten Abschnitt vor uns. Es war jetzt mehr Gehgelände und wir wurden an die lange Leine gelegt. Wir folgten der Spur. Am Anfang sanken wir hier und da noch ein, dann lief es sehr gut. Rechts von uns lag die mächtige Wand und links von uns einfach nur eine traumhafte Aussicht. Sehr beeindruckend!

Vorsichtig querten wir noch eine Gletscherspalte, bevor es wieder aufwärts ging zum Ende des ersten Grats, bevor es das erste Eisfeld hoch gingen. Oben angekommen machten wir eine kurze Pause. Nun ging es über den Grat zurück. Am Einstieg des Abstiegs angekommen gingen wir vorsichtig weiter. Wir merkten schon, dass es durch die Sonne aufgeweicht war und es blitzte viel Eis durch. Wir bewegten uns langsam durch den Schutthaufen abwärts. Dann stand ich auf einem Stein und begann mit der Masse um mich herum langsam abzurutschen. Glücklicherweise kam sie schnell zum stehen.

Am Schnee angekommen stellten wir fest, dass dieser extrem sulzig war. Dies war zum abwärts gehen allerdings klasse und wir liefen entspannt an den Gletscherrand. Um uns den langen Weg über die Steine zu sparen, liefen wir über den Gletscher nach unten. Wahnsinn wie viel Wasser hier jetzt floss. Die Sonne ließ es laufen. Florian navigierte uns hier sicher durch. Noch durch ein Schneefeld und wir standen wieder auf festem Untergrund. Wir zogen unsere Steigeisen, Gurte und Helme aus und verpackten alles. Dann ging es an den Rückweg zur Hütte. Aber da wir schon etwas ausgepowert waren, mussten wir uns hier auch noch entsprechend konzentrieren, um nicht doof zu stolpern. Das Wetter war aber schon wieder ein Traum. Nur am Gipfelkreuz war es (leider) sehr neblig gewesen. Ich war sehr happy und auch etwas stolz es geschafft zu haben. Dank des tollen Teams!

An der Hütte angekommen, packten wir unsere restlichen Sachen, machten eine kurze Pause und liefen dann gemeinsam zur Bergbahn, um abzufahren.

Fazit: Ein sehr tolles Erlebnis, wenn man Spaß an etwas Adrenalin hat. Es hat aber sicherlich nichts mit Wandern zu tun und man sollte sich vorher intensiv damit auseinandersetzen, ob man wirklich die grundlegenden Voraussetzungen erfüllt. Einfach klasse diese Tour!

Dauer/Länge (inkl. Pausen):

7:23h / 7,56km

Höchste Wegschwierigkeit :

T6

Aufstieg (Höhenmeter):

980m

Abstieg (Höhenmeter):

980m

Besonderheiten: