Bei feinstem Wanderwetter ging es heute in Nesselwängle los. Nach einer zufälligen Begegnung mit einer Komootlerin, Tabea und einem Plausch startete ich auf dem breiten Weg in Richtung des ersten Ziels.
Nach einer ganzen Weile ging es dann nach links weg und angenehm nach oben. Es war ein gut ausgebauter Wanderpfad, der sich teilweise durch den Wald oder im freien Gelände nach oben zog. Um die Zeit war es teilweise noch schattig. Das war mehr als angenehm. Ab und zu wechselte ich dann auf den nächsten Pfad, aber immer gut beschildert und ausgebaut. Ich kam an einer süßen, kleinen Selbstversorgerhütte vorbei. Hier wachten die Leute gerade auf.
Unter mir sah ich die Schneetalalm, auf welcher schon ordentlich Bewegung herrschte. Dann kam das Sabajoch ins Blickfeld und vor mir liefen ein paar Walliser Schwarznasenschafe. So süß! Diese vereinten sich dann wieder mit ihrer Herde und ich bog nach rechts ab, im Endspurt aufs Joch. Oben angekommen, genoss ich die Aussicht! Wow! Wieder einmal war es der Wahnsinn.
Rechts von mir lag die Schneidspitze, die aber nicht das Ziel war. Ich machte mich auf zur anderen Seite. Der Weg führte wunderbar am Hang entlang. Er war stellenweise etwas überwuchert und dadurch noch feucht und rutschig. Auf dem Weg auf die andere Seite sprangen viele Gämsen um mich herum. Eine ganze Herde beobachtete mich aus einem Geröllfeld heraus, über mir stehend.
Am Gehrenjoch angekommen, ging es nach links weg. Da sah ich schon das Gipfelkreuz der Gehrenspitze und der Kleinen Gehrenspitze, die aber nicht das Ziel war. Kurz ging es über einen Grasrücken, bevor es auf klaren Pfaden oder Pfadspuren nach oben ging. Immer mal wieder brauchte ich auch kurz die Hände.
Markierungen waren hier nur sehr spärlich, aber der Weg zum Glück klar vorgezeichnet. Ich kam am Einstieg an und schnaufte kurz durch. Die Sonne schien inzwischen ordentlich.
Jetzt begann der eigentliche Spaß! Ab hier war es auch durchgehend und gut markiert. Es ging durch eine steile Rinne nach oben. Hier lag schon verdammt viel Zeugs rum und ich passte auf, dass ich nichts lostrat. Da vor mir niemand war, verzichtete ich auf den Helm. Ich wählte den direkten Weg durch die Rinne. Oben angekommen, kam der dicke Kind Test. Ich musste meinen Rucksack abnehmen und dann war es kein Problem sich durch den Spalt zu drücken.
Jetzt eröffnete sich der herrliche Blick auf die Füssener Seenlandschaft und die Hütten unter mir. Ein Träumchen war das! Jetzt ging es weiter. Das Gipfelkreuz spickte oben schon durch. In herrlicher Kraxelei, den Markierungen folgend ging es nach oben. Das Gestein war größtenteils gut. Ich hatte allerdings mehrfach einen Stein in den Hand. Also prüfte ich jeden Griff gut. Dann verkraxelte ich mich einmal, weil jemand vor der nächsten Markierung stand. Also querte ich etwas luftiger und stand wieder am nächsten roten Punkt.
Ich wartete kurz und ließ die von oben kommenden durch. Wow, in normalen Turnschuhen kamen sie teilweise. Mut oder Übermut sagte ich mir. Ich nahm den letzten Abschnitt konzentriert, da hier noch einmal eine ordentlich luftige Stelle war und stand kurz danach am Kreuz. Ein traumhafter 360 Grad Ausblick eröffnete sich mir.
Der Grat in Richtung der Kleinen Gehrenspitze sah schon spannend aus, aber stand heute nicht im Fokus. Der Abstieg bis zur Rinne verlief den Markierungen folgend und sehr konzentriert gehend ohne Probleme. Ich schob mich wieder durch die enge Öffnung und nahm die Rinne in Angriff. Ich kam sehr schnell unten an. Der restliche Weg bis zum Sabajoch verlief wie auf dem Hinweg. Nur waren jetzt wesentlich mehr Leute unterwegs und die Sonne drückte.
Ich bog nach rechts ab und nahm den Weg in Richtung der Nesselwängler Scharte. Der Weg verlief schön am Hang entlang. Ich erreichte den Einstieg des Klettersteigs zur Köllenspitze und dann musste ich durch ein steiles, ätzendes Geröllfeld nach oben. Nachdem das hinter mir lag, schnaufte ich einmal durch und lief weiter. Kurz über etwas Blockgestein und ich stand an der Scharte. Hier waren einige Kletterer unterwegs.
Jetzt ging es nach rechts weg, den Markierungen folgend zur Kellenspitze. Erst verlief es über Wiesen, bevor die erste spannende Stelle kam. Mittels Tritthilfen stieg ich durch eine Rinne ab. Jetzt folgte ich in schöner, anregender Kraxelei den Markierungen. Hier lag schon ordentlich Geröll rum. Dann kam ich an die einzige seilversicherte Stelle. Auch hier gab es Tritthilfen und entsprechend entspannt war es.
Nun ging es weiter steil nach oben und ich erreichte bald das Gipfelkreuz. Träumchen! Hier lief gerade eine Bergrettung aus dem Klettersteig. Zum Glück war nichts schlimmes passiert. Der Hubschrauber kam gerade angeflogen. Ich machte eine kurze Pause und dann ging es wieder an den Abstieg.
Da es teilweise ordentlich steil war und sehr viel Zeugs rumlag, ging ich sehr achtsam. Der Weg runter war auch gut markiert und stellte so kein Problem dar. Ich kam wieder an der Scharte an und bog nach rechts ab. Dann stand ich an der Kreuzung und überlegte. Mein Knie zickte leider etwas, so dass ich mich dazu entschied die Tour hier abzukürzen. Ich stieg erst durch ein Geröllfeld und dann über normale Wanderpfade zum Gimpelhaus ab.
Nach einer kleinen Trinkpause ging es dann über den Normalweg zurück zum Auto. Hier kam ich müde, happy, aber etwas traurig an, da ich gerne die komplette Tour gemacht hätte. Aber es war besser so.
Fazit: Eine tolle Tour, wenn man gerne kraxelt. Definitiv nicht für normale Wanderer. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sollten vorhanden sein und es sollte kein Problem mit luftigeren Passagen vorhanden sein. Die Kraxelei verläuft im Bereich UIAA I, evtl. wird mal eine II gestriffen. Bei Nässe sind beide Berge nicht zu empfehlen!
Dauer/Länge (inkl. Pausen):
8:08h /16,2km
Höchste Wegschwierigkeit :
T4
Aufstieg (Höhenmeter):
1.690m
Abstieg (Höhenmeter):
1.690m
Besonderheiten:
UIAA I-II an den Gipfeln, teils sehr ausgesetzt, Steinschlaggefahr
